Seile

Tipps aus der Praxis

Abrollen – Das erste Mal

Bei der herkömmlichen Fertigungsmethode (nicht «Lap Coiled») wird das Seil krangelfrei auf Trommeln aufgerollt. In diesem gerollten Zustand wird es auch ausgeliefert. Bei der ersten Benutzung muss es wieder abgerollt werden, sonst entstehen lästige Krangel. Zum Abrollen öffnet man die Seilverschnürung und steckt beide Unterarme gegenläufig durch die Seilrolle. Unter ständigem Zug nach aussen dreht man die Unterarme umeinander, so dass das Seilende auf den Boden gleitet. Dabei acht geben, dass sich nicht das zweite Ende um ein Handgelenk wickelt und die Drehung behindert. Nach dem Abrollen kann das Seil noch zwei- oder dreimal Meter für Meter durchgezogen und dabei leicht geschüttelt werden, um eventuell vorhandene Windungen aufzulösen. Danach wird es zum Transport aufgenommen oder im Seilsack verstaut. Wer die Abrollprozedur über dem Seilsack oder in der Wohnung durchführt, schützt sein Seil von Anfang an vor unnötiger Verschmutzung.

Seilsack

Beim Sportklettern ist der Seilsack das beste Mittel, um das Seil bequem und vor Schmutz geschützt zu transportieren und bereit zu halten. Ein Ende des Seiles wird in der einen Schlaufe des Seilsacks eingebunden, dann wird das Seil lose Meter für Meter auf die Plane des Sacks gezogen. Das obere Ende kann nun frei ablaufen und wird zum Vorsteigen verwendet; zum Transport wird es in die zweite Schlaufe des Sacks eingebunden. Angenehmer Nebeneffekt des Seilsacks: Wenn das zweite Seilende fest eingebunden ist, etwa mit gestecktem Sackstich, kann es nicht beim Abblassen aus Versehen durch die Sicherung rutschen – eine leider häufige Unfallursache beim Sportklettern.

Seilmanagement am Stand

Vor allem in Wasserfällen, aber auch in alpinen Felstouren und bei starkem Wind ist es wichtig, dass das Seil nicht in Schlingen vom Stand herunter hängt, die sich an Felsblöcken oder Eiszapfen verhängen können. Könner legen das Seil in Schlingen mal rechts, mal links über den Seilstrang ihrer Selbstsicherung, über Oberschenkel oder den Fuss und haben so jederzeit beste Kontrolle. Steigt der gleiche Vorsteiger die nächste Länge weiter, so muss das eingezogene Seil zuerst komplett durchgezogen werden, damit es sauber nach oben wegläuft.

Erholungszeit nach Sturz

Nach Sportkletterstürzen profitiert das Seil von einer Ruhepause. Nach harter Sturzbelastung sollte man dem Seil Erholungszeit gönnen und wenn möglich das Seilende wechseln. So können sich die vom Sturz gestreckten Kunststoffasern wieder regenerieren – die Lebensdauer kann deutlich ansteigen. Das Seil kann auch geschont werden, wenn man beim Ausbouldern einer Route nach dem Sturz nicht im Seil hängen bleibt, sondern sich direkt im Haken fixiert.

Seilführung

Eine geschickte Seilführung vermindert Reibung und schont damit auch die Nerven. Das Seil sollte möglichst nicht über scharfe, rauhe Kanten, durch Risse oder hinter Blöcken laufen; dort kann es verklemmen, wird stark verschlissen und kann bei Sturz abgeschert werden. Geschickt platzierte Zwischensicherungen helfen dies zu vermeiden. Es empfiehlt sich, weit aus der Linie liegende Zwischensicherungen mit langen Bandschlingen einzuhängen. Lässt sich der Seilverlauf auch dadurch nicht ausreichend begradigen, kann die Halbseiltechnik angewandt werden – besonders bei «natural protected» Routen, wie sie beispielsweise in England üblich sind.

Das kurze Seil

Für kurze leichte Passagen ohne Absturzgefahr kann das Seil zum Transport in Schlingen über die Schulter aufgenommen werden. Dazu legt sich jeder Seilpartner so viele Schlingen wie angenehm über die Schulter und fixiert das komplette Schlingenbündel mit einer Umwicklung, einem Kreuzschlag und zusätzlich einem Schraubkarabiner im Anseilpunkt. Wird dies nicht gemacht, können sich die Schlingen bei Sturz zuziehen und den Kletterer erwürgen. Zum Abnehmen wird Schlinge für Schlinge von der Schulter genommen, damit keine Krangel oder Knoten entstehen. Mit dem «kurzen Seil» gleichzeitig schwierige Passagen zu begehen, ist eine Bergführertechnik mit begrenztem Anwendungsbereich, die für Nichtprofis lebensgefährlich ist. Für sie heisst es: korrekt sichern oder seilfrei gehen.

Abseilen

In geblocktem Gelände oder bei Wind besteht beim Abseilen die Gefahr, dass das komplett ausgeworfene Seil liegenbleibt oder sich verfängt; wird es zum Auswerfen nicht sehr exakt aufgenommen, bilden sich leicht Knoten. Um dies zu vermeiden, oder auch bei schrägem Verlauf der Abseillänge, kann es günstiger sein, den Seilpartner abzulassen. Wird in Notfällen mit Halbmastwurf abgeseilt, sollten die Seilstränge parallel geführt werden, damit sie nicht krangeln.

Die Dreierseilschaft

In längeren Touren wird öfters in Dreierseilschaften geklettert, wobei ein Vorsteiger zwei Nachsteiger gleichzeitig sichert. Benutzt man dazu zwei Einfachseile, dürfen vom Vorsteiger nie beide Stränge parallel in den Zwischensicherungen eingehängt werden. Sonst kann ein gefährlich hoher Fangstoss entstehen. Für Dreierseilschaften können auch Halbseile, aber nie Zwillingsseile eingesetzt werden.

Seil Abziehen

Der Seilstrang, an dem abgezogen wird, sollte an der Verankerung auf der Felsseite liegen, damit das Seilende nicht vom Ring abgeklemmt wird.

Seil aufnehmen

Eins links, eins rechts; Das Aufnehmen (früher: Aufschiessen) des Seils dient zum Transport ohne Seilsack. Um dabei Krangel zu vermeiden, empfiehlt sich die Methode des Lap Coiling. Ob das Seil doppelt genommen von der Mitte oder von den Enden aufgenommen wird oder im Einfachstrang von einem Ende aus, ist egal. Auch, ob man das entstehende Seilbündel in einer Hand sammelt, übers Genick oder sitzend über den Oberschenkeln. Entscheidend ist, dass das Seil nicht in Ringform aufgenommen wird, sondern in Schlaufen, die einmal links, einmal rechts herunterhängen. Ist das ganze Seil aufgenommen, fasst man das Bündel in der Mitte und umwickelt es mit dem ein bis zwei Armlängen langen Seilrest ein paarmal. Durch das entstehende Auge zieht man eine Seilschlaufe, die über den «Kopf» der Seilpuppe gelegt und festgezogen wird. Verwendet man diese Methode mit zwei Seilenden, kann man sich die Seilpuppe wie einen Rucksack auf den Rücken binden. Bei der nächsten Verwendung des Seiles schützt man sich vor «Seilsalat», wenn man die Seilschlingen wieder einzeln ablegt und eventuell das Seil einmal komplett durchzieht.

Lebensdauer - wann ersetzen

Einen «kleinen» Sportklettersturz kann sogar manch uraltes Seil noch halten. Über eine scharfe Kante dagegen kann selbst ein nagelneues Seil reissen. Deshalb ist die Lebensdauer eines Seils schwer zu definieren. Sie hängt ab von der Benutzungsdauer und -art, von Sturzbelastung und anderen schwächenden Einflüssen. Beim Privatnutzer entscheidet letztlich das persönliche Sicherheitsempfinden – spätestens wenn das Vertrauen in den pelzigen oder störrischen «Strick» nachlässt, sollte man ihn aussondern oder «degradieren», zum Beispiel nur noch zum Topropen verwenden. Für kommerzielle Verwender empfiehlt sich das Führen eines Seilbuches.

Unabhängig von der Benutzungshäufigkeit sollte ein Seil ausgesondert werden, wenn:

  1. das Seil mit Chemikalien, vor allem Säuren, in Berührung kam
  2. der Mantel beschädigt ist und der Kern sichtbar ist
  3. der Mantel extrem abgenutzt oder aussergewöhnlich pelzig ist
  4. der Mantel extrem stark verschoben ist
  5. starke Deformationen auftreten
  6. extreme Belastungen aufs Seil kamen (z.B. starke Stürze deutlich über Sturzfaktor 1)
  7. das Seil extrem verschmutzt ist (Fett, Öl, Teer)
  8. durch Hitze oder Reibung Schmelzverbrennungen entstanden sind.

Anhaltswerte für die Gebrauchsdauer des Seils liefert die folgende Tabelle:

VerwendungshäufigkeitUngefähre Lebensdauer
Nie benutztmaximal 10 Jahre
Selten benutzt: ein oder zweimal im Jahrbis zu 7 Jahre
Gelegentlich benutzt: einmal pro Monatbis zu 5 Jahre
Regelmässig benutzt: mehrmals pro Monatbis zu 3 Jahre
Häufig benutzt: jede Wochebis zu 1 Jahr
Ständig benutzt: fast täglichweniger als 1 Jahr

Beschädigung

Ein Seil ist ein Gebrauchsgegenstand. Jede Benutzung zehrt an seiner Lebensdauer. Irgendwann erreicht selbst das beste Seil einen Zustand, wo seine Sicherheitsreserven zu gering sind. Meist wird es schon vorher so viel an Bedienungskomfort verlieren, dass man es aussondern wird. Extreme Belastungen können ein Seil komplett oder stellenweise unbrauchbar machen. Beschränkt sich die Schädigung nur auf eine Stelle in der Nähe des Seilendes, kann sie natürlich abgeschnitten werden – dann sollte man jedoch künftig bedenken, dass nun die Mittenmarkierung nicht mehr stimmt. Zur Entscheidung, wie stark die Sicherheitsreserven des Seiles gelitten haben, sollte man die Gefährlichkeit verschiedener Einflüsse beurteilen können.

Chemische Verletzungen

Die wenigen Seilrisse heutzutage sind – abgesehen von Scharfkantenstürzen – die Folge chemischer Seilverletzung durch Säure. Besonders die Schwefelsäure von Autobatterien greift die Kunststofffasern des Seils an und kann sie auflösen. Heimtückischerweise ist eine solche Verletzung von aussen nicht zu erkennen. Der Seilmantel verfärbt sich kaum wahrnehmbar, aber der tragende Kern kann zerstört sein. Deshalb sollten Seile nie in der Nähe von Chemikalien gelagert werden.

Schwer einzuschätzen ist das Beschädigungspotenzial von Lösungsmitteln. Deshalb sollte die Seilmitte nie mit Filzstift oder ähnlichem markiert werden.

Sturzbelastung

Kurze Sportkletterstürze schädigen ein Seil nur minimal, es hält hunderte davon aus. Auch weite Flüge von zehn oder fünfzehn Metern müssen noch nicht das Ende eines Seiles bedeuten, richtige dynamische Sicherung vorausgesetzt. Entscheidend für die Belastung des Seils sind Sturzfaktor und Fangstoss. Ein weiter Sturz mit Sturzfaktor über 1, der hart gebremst wird, kann die Sicherheitsreserven eines Seiles deutlich mindern. Es mag dann noch einfache Sportkletterstürze halten, kann aber bei Kantenbelastung schon an einer weniger scharfen Kante reissen als ein neues Seil. In alpinem Gelände oder in Klettergärten mit rauhen Kanten sollte es dann auf keinen Fall mehr verwendet werden; ganz sicherheitsorientierte Kletterer werden ein Seil nach einem solchen «heftigen» Sturz aussondern.

Mechanische Verletzungen

Scharfe Felskanten, Steinschlag oder ein Treffer mit dem Eisgerät können dem Seil lokal eine tödliche Wunde zufügen. Wird der Mantel so verletzt, dass der Kern sichtbar ist, oder sind gar Fasern des Kerns mit durchtrennt, sollte man das Seil aussondern. Besonders bei Einfachseilen, wo kein zweiter Strang Redundanz verspricht, sollte man vorsichtig sein.

Praxistipp: Beim Topropen im Steileis kommt es gelegentlich vor, dass mit dem Eisgerät das Seil getroffen wird; mit Halbrohrhauen kann dabei das Seil durchtrennt werden. Zur Sicherheit kann man das Seilende doppelt einbinden: eine zwei Meter lange Sackstichschlaufe knoten und diese mit einem weiteren Sackstich und Schraubkarabiner im Gurt einhängen. Die alte Regel «nicht aufs Seil treten» gilt immer noch. Zwar sind Beschädigungen nur in aussergewöhnlichen Unglücksfällen zu erwarten, aber durch Trittbelastung kann Dreck in den Seilkern eindringen und ihn angreifen.

Abrieb

Reibung auf dem Fels und in Karabinern zermürbt den Seilmantel auf der ganzen Seillänge. Die Schädigung geschieht um so schneller, je stärker die Belastung und je schärfer die Kanten sind. Die Quarzkristalle von Granit und Sandstein wetzen den Mantel schneller ab als Kalk; wasserzerfressener Fels scheuert stärker als Platten; die Belastung mit dem Körpergewicht beim Abseilen oder Ablassen schädigt das Seil stärker als Vor- und Nachsteigen ohne Seilbelastung. Ein Anhaltspunkt: Abseilen lässt das Seil zwei- bis dreimal schneller altern als normales Klettern, Ablassen und Topropen beschleunigt die Alterung um das fünf bis zehnfache. Durch die Reibung reissen kleine Fasern im Mantel, er wird rauher und bekommt einen «Pelz». Dieser kann das Handling erschweren und die Wasseraufnahme des Seils erhöhen. Ist der Mantel so weit ausgedünnt, dass er stellenweise reisst oder den Kern durchscheinen lässt, sollte das Seil spätestens ersetzt werden.

Praxistipp: Die Reibungsbelastung in der Umlenkung bei Abblassen wird geringer, wenn das Seil durch zwei Karabiner läuft. Befindet sich der Umlenkhaken hinter einer Felskante, sollte er mit langen Bandschlingen so weit verlängert werden, dass das Seil nicht über die Kante laufen muss.

Schmelzverbrennung

Eine extreme Schädigung durch Reibung ist die Schmelzverbrennung. Sie kann vor allem auftreten, wenn Seil auf Seil reibt, etwa im Sicherungsgerät beim Halten extremer Stürze oder wenn fehlerhafterweise zwei Seile durch eine Umlenkung geführt werden. Schmelzspuren sind an glasigtransparenten oder dunkel verschmorten Farbveränderungen des Mantels erkennbar. An solchen Stellen ist das Seil etwas steifer, schwerer zu handhaben und weniger leistungsfähig. Bei grösseren Schmelzschäden sollte ein Seil ausgesondert werden.Bei übertrieben rasantem Abseilen kann der Abseilachter so heiss werden, dass das Seil punktuell anschmelzen und sich die Festigkeit in genau diesem Punkt vermindern kann. Deshalb ist ein gemässigtes Tempo beim Abseilen sinnvoll.

Vorsicht in stark besuchten Klettergärten: Müssen zwei Seilschaften unvermeidlich die gleiche Umlenkung benutzen, dürfen die Seile keinesfalls durch die gleichen Karabiner geführt werden, damit nicht ein Seil das andere durchbrennen kann. Eine Seilschaft muss im Fixpunkt eine eigene Umlenkung bauen, etwa durch zwei gegenläufig eingehängte Expressschlingen. Auch die nach unten führenden Seile sollen sich nicht kreuzen.

Verschmutzung

Schmutz am Seil ist vor allem ein Handhabungsproblem. Er macht es steifer, schmieriger, klebriger. Ist das Seil extrem verschmutzt, etwa durch Öl, Fett oder Teer, und wird es durch Waschen nicht mehr sauber, wird nicht nur die Ästhetik eine Aussonderung nahe legen. Besonders gefährlich ist Verschmutzung durch Granitstaub und Sand; die Quarzkristalle können im Seilinneren die Kernfasern erodieren und die Festigkeit des Seiles mindern, vor allem, wenn damit abgeseilt oder abgelassen wird. Unregelmässige Dicke des Seiles und weiche Stellen können Hinweis auf solch innere Schädigung sein.

Nasse Seile

Wird ein Seil nass, ist es schwerer an Gewicht und unhandlicher. Gefriert es womöglich auch noch, nimmt auch seine Leistung ab. Gefrorene Seile halten teilweise nur noch halb so viele Normstürze wie trockene, und steifgefrorene «Kabel» durch ein Sicherungsgerät zu zwängen, ist eine Qual. Gefahrensituationen für gefrierende Nässe sind sonnenweiche Gletscher, Wetterstürze und wasserüberronnene Stellen in Eisfällen.

UV-Strahlung

Die UV-Strahlung der Sonne lässt die Farben ausbleichen und beschleunigt die Seilalterung. Doch die Strahlung, die ein Bergseil im Gebrauch trifft, mindert die Festigkeit nur unwesentlich – allerdings verlieren die Fasern an Elastizität und das Seil wird härter. Dubioser mögen völlig ausgebleichte Abseil- oder Sanduhrschlingen aus Seilmaterial wirken, die im Fels vorzufinden sind. Aber selbst diese halten normalerweise jede in der Praxis vorkommende statische Belastung aus. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn sie Scheuerstellen oder Anzeichen von Schmelzverbrennung aufweisen.

Krangel

Krangel sind spiralförmige Verdrehungen im Seil. Ein Seil, das stark krangelt, ist unangenehm zu bedienen und beim Abseilen besteht die Gefahr, dass sich die Stränge so umeinander wickeln, dass man es nicht mehr abziehen kann. Manche Seile neigen von Natur aus stärker zum Krangeln als andere; eine Tendenz, die sich mit der Seilalterung oft verstärkt. Oft aber werden Krangel durch Bedienungsfehler erzeugt. Wer ein Seil in Ringform aufnimmt, zwingt Krangel hinein. Ablassen schräg über markante Kanten oder durch quer stehende Karabiner bringen Drall ins Seil. Sorgfältiges Handling hilft hier, Ärger zu vermeiden.

Praxistipp: Auf sauberen, knickfreien Seilverlauf achten und zum Aufnehmen möglichst nur die beschriebene «Lap-Coiling»-Methode verwenden. Beim Halbmastwurf die Seilstränge unbedingt parallel führen! Um Krangel aus dem Seil herauszubekommen, lässt man es am besten frei aushängen. Auch mehrfaches Durchziehen hilft, am besten über eine Umlenkung (auf unverdrehten Durchlauf achten!).

Seilpflege

Seilschonung

Jedes Bergseil ist ein Gebrauchsgegenstand und verschleisst bei Benutzung. Doch der Verschleiss ist je nach Verwendungsart unterschiedlich. Am wenigsten leidet das Seil, wenn es nicht belastet wird, also bei klassischem Vor- und Nachstieg ohne Sturz. Dann wird nur der Mantel durch Reibung auf Fels oder Eis aufgescheuert und nach vielen Jahren dünn. Starker Seilzug bei winkliger Seilführung oder schräges Ziehen über Kanten verstärken den Abrieb und können Krangel verursachen. Ablassen, etwa beim Topropen, verstärkt die Abnutzung wesentlich. Beim Abseilen ist ein moderates Tempo für das Seil «gesünder» als schnelles, ruckartiges «Durchrauschen».

Kontrolle

In regelmässigen Abständen und nach aussergewöhnlichen Belastungen (Steinschlag, Steigeisentritt, grösserer Sturz) sollte man dem Seil eine Kontrolle gönnen. Dazu zieht man es Meter für Meter durch die Hand, spürt dabei mit den Fingern nach Verdickungen, Verhärtungen und Ähnlichem und schaut nach auffälligen Beschädigungen am Mantel. Bei grösseren mechanischen Unregelmässigkeiten und dünnen oder offenen Stellen am Mantel sollte das Seil ausgetauscht werden. Im Zweifel gibt ein guter Fachhändler Auskunft über die Brisanz des Schadens.

Waschen – sogar in der Maschine

Schmutz reduziert die Leistung und verschlechtert das Handling des Seils. Wird ein Seil trotz Seilsack dreckig, kann man es in lauwarmem Wasser von Hand in der Badewanne oder sogar in der normalen Haushaltswaschmaschine wieder säubern. Gelegentliches Waschen sichert gutes Handling und erhöht die Lebensdauer des Seils. Dazu ist ein mildes Synthetik-Waschmittel am besten geeignet. Zur Schonung des Seils nur das Programm für Wolle verwenden und niemals schleudern! Zum Trocknen wird das Seil an einem kühlen, dunklen Platz offen ausgelegt, nicht aufgehängt.

Lagerung

Um die Seilalterung möglichst zu verlangsamen, sollte das Seil an einem kühlen, dunklen und trockenen Platz gelagert werden, am besten liegend. Chemikalien, vor allem Säuren (Autobatterien), unbedingt fernhalten!

Gefahrenhinweise

Dringende Warnung vor permanent installierten Express Sets und Karabinern in Klettergebieten

Permanent installierte Karabiner und Express Sets in Klettergebieten können durch Abnutzung scharfe Kanten bilden und Seile auch bei einem kleineren Sturz beschädigen oder ganz durchtrennen. Untersuchungen von Mammut haben gezeigt, dass dieses eigentlich bekannte Problem wesentlich dramatischer ist, als bisher angenommen und ein sehr hohes Risiko für die Kletternden darstellt. Mammut ruft daher dringend auf, permanent installierte Express Sets und Karabiner in Klettergebieten unabhängig vom Hersteller per sofort nicht mehr zu benutzen und zu entfernen.

In den letzten Jahren wurde es zunehmend üblich, in überhängenden Klettergartenrouten alle oder ein Teil der Express Sets fest zu installieren. Dies einerseits um das Seil-Einhängen zu erleichtern, andererseits um das teilweise umständliche Abbauen der Express Sets zu vermeiden.

Diese Express Sets werden beim Ablassen des Kletterers durch die Reibung mit dem Seils je nach Position in einem stumpfen Winkel eingeschliffen und können dabei sehr scharfe Kanten bilden (siehe Abbildung 1). Besonders betroffen sind folgende Positionen:

  • der erste Sicherungspunkt (wenn der Sichernde beim Ablassen von der Wand weg steht)
  • Sicherungspunkte unter einem Dach / Überhang
  • seitlich versetzte Sicherungspunkte

Das Einschleifen wird durch Schmutz oder Sand am Seil verstärkt. Extrem scharfe Kanten bilden sich an Karabinern, welche fast nie durch einen Sturz belastet werden und die kaum als Umkehrpunkt benutzt werden. Sie werden dadurch nie „entschärft“ (rundgeschliffen) und es kann sich eine messerscharfe Kante bilden. Auch tendieren Karabiner mit einem T-Profil zu einer stärkeren Kantenbildung als Rundprofile.

Tests auf der Mammut Normsturzanlage über den in Abbildung 1 dargestellten Karabiner haben gezeigt, dass ein 9.5mm Seil mit einer Fallmasse von 80kg bereits bei einer Fallhöhe von 2.7m / Sturzfaktor 1.0 durchtrennt wird. Der verwendete Karabiner wies keine extrem scharfe Kante auf. Frühere Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass der Sturzfaktor durch die Reibung in der Sicherungskette in der Praxis wesentlich höher sein kann als der berechnete Wert. In Kombination mit einem sehr scharfen Karabiner können daher bereits sehr kleine Stürze unter einem Meter Fallhöhe kritisch werden. Fälle von Seilrissen ohne Konsequenzen in geringer Höhe sind bekannt. Aktuell wird dies auch als mögliche Ursache für einen tödlichen Kletterunfall in der Schweiz vor wenigen Wochen untersucht.

Mammut untersuchte zudem den Einfluss des Seildurchmessers auf diese Scharfkanten. Hier zeigt sich ein klarer Zusammenhang wie in Graphik 1 ersichtlich ist: Ein dickeres Seil bietet bei Scharfkanten auf jeden Fall eine höhere Sicherheitsreserve. Die Werte sind jedoch auch bei einem 10mm Seil kritisch und lebensbedrohlich. Zwillings- und Halbseile im Doppelstrang bieten die höchste Sicherheitsreserve. Gebrauchte Seile (leichter Mantelpelz, ohne Beschädigung) wiesen keine wesentlich tieferen Werte auf als neue Seile.

Karabiner am Umlenkpunkt können ebenfalls scharfe Kanten bilden, hier läuft das Seil jedoch in einem spitzen Winkel über den Karabiner, der Schliff ist eher rund und die Kantenbildung ist weniger extrem. Diese Karabiner können jedoch kritisch sein, wenn die verbleibende Materialstärke zu gering wird und damit der Belastung nicht mehr standhält.

Kletterhallen verwenden meist Stahlkarabiner, die weniger schnell einschleifen und das permanent installierte Material wird regelmässig kontrolliert. Mammut empfiehlt jedoch auch hier die Augen offen zu halten, eingeschliffene Karabiner nicht zu verwenden und diese sofort dem Hallenbetreiber zu melden.

Fest installiertes Material in Outdoor-Kletterrouten wird normalerweise nicht gewartet und kontrolliert. Hier ist auch aus Gründen der Schlingenalterung, Korrosion etc. generell Vorsicht geboten und das Material sollte am besten nicht verwendet werden.


Kontakt

Harald Schreiber
Mammut Sports Group AG
Industriestrasse Birren
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