Seile

Dynamische Seile

Grundsätzlich gibt es bei den dynamischen Bergseilen drei verschiedene Seiltypen, die für unterschiedliche Aktivitäten geeignet sind und nach verschiedenen Normen getestet werden.

Einfachseile

Einfachseile sind die «Normalform» von Kletterseilen. Je nach Durchmesser und Länge können Sie für die meisten Einsatzgebiete verwendet werden. Der Hauptvorteil ist das einfache Handling. Ein Nachteil ist, dass nur Routen bis zur Höhe der halben Seillänge, mit anschliessendem Ablassen oder Abseilen, geklettert werden können. Einfachseile werden mit Durchmessern von 8,7 bis 11 Millimeter angeboten und wiegen zwischen 51 und 77 Gramm pro Meter. Sie halten im Einzelstrang mindestens fünf Normstürze mit 80 Kilogramm Fallgewicht.

Zwillingsseile

Zwillingsseile werden nur im Doppelstrang verwendet und immer gemeinsam in jede Zwischensicherung eingehängt (=Zwillingsseiltechnik). Die zwei Stränge bieten Redundanz und damit eine höhere Sicherheit bei Sturzbelastung über scharfe Kanten und sind somit speziell für alpine Klettereien oder anspruchsvolle Touren mit Rückzugsmöglichkeiten geeignet. Sie bieten höchste Sicherheitsreserven und erlauben Abseilen über die volle Seillänge; mit Durchmessern von 7,5 bis 8 Millimeter und einem Metergewicht von 38 bis 45 Gramm sind sie im Doppelstrang etwa so schwer wie die schwersten Multisturz-Einfachseile. Beim Normtest müssen sie im Doppelstrang 12 Normstürze mit 80 kg halten.

Halbseile

Halbseile liegen in Festigkeit und Gewicht zwischen Einfach- und Zwillingsseilen. Sie bieten nur normgerechte Sicherheit, wenn sie im Doppelstrang verwendet werden. Dabei hat man jedoch die Wahl zwischen der Zwillingsseiltechnik, bei der beide Stränge parallel durch die Zwischensicherungen laufen, und der Halbseiltechnik, bei welcher «linker» und «rechter» Strang getrennt durch unterschiedliche Sicherungen geführt werden. Diese Technik erlaubt eine reibungsärmere Seilführung bei weit seitlich auseinanderliegenden Sicherungen und reduziert den Fangstoss – günstig bei «clean»-Routen, die nur mit Klemmkeilen und Ähnlichem abgesichert werden. Für die Halbseiltechnik muss eine Sicherungsmethode verwendet werden, die das unabhängige Ein- und Ausgeben jedes einzelnen Seilstrangs ermöglicht. Halbseile werden im Einzelstrang mit 55 kg Fallgewicht getestet und müssen fünf Normstürze halten, bei Durchmessern von 8 bis 9 Millimeter und 41 bis 55 Gramm Metergewicht. Sie sind im Einzelstrang zum Nachsichern tauglich, etwa bei zwei Nachsteiger

Balanced Rope Concept

Die Herstellung eines Seiles ist immer ein Kompromiss zwischen hoher Normsturzzahl und geringem Gewicht, resp. kleinem Fangstoss und geringer Dehnung. Mammut verfolgt seit Jahren die Philosophie des Balanced Ropes, wonach sich ein herausragendes Bergseil nicht durch einen einzelnen Spitzenwert auszeichnet, sondern durch die Summe der Qualitätsmerkmale in optimaler Ausgewogenheit.

Mammut DRY

SicherheitHöchste Sicherheit selbst bei widrigsten Bedingungen: Die Coatingfinish™-Veredelung von Kern und Mantel führt dazu, dass ein DRY-Seil nahezu kein Wasser aufnimmt und bei tiefen Temperaturen nicht gefriert. Selbst ein komplett gewässertes (15 min Wasserbad) DRY-Seil erreicht noch immer 80 % der angegebenen Normsturzzahl.
LanglebigkeitEnorme Langlebigkeit dank Kern- und Mantelveredelung: In Scheuertests erzielen DRY-Seile eine um 50 % höhere Abriebfestigkeit im Vergleich zu herkömmlich ausgerüsteten Seilen gleichen Durchmessers. Die Versiegelung von Kern und Mantel verhindert ausserdem die Schmutzaufnahme und erhöht die Lebensdauer zusätzlich.
WasserabweisungDie Kombination von Coated Core Technology und Coated Sheath Technolgy resultiert in einer dauerhaften Wasser- und Schmutzabweisung der DRY-Seile.
Im UIAA-Testverfahren zur Wasseraufnahme erzielen DRY-Seile einen Wert von 1 %.
EinsatzDRY-Seile decken das volle Einsatzspektrum von Sport- und Hallenklettern bis hin zu alpinem Bergsteigen und Eisklettern ab. Bei sämtlichen vertikalen Aktivitäten überzeugen DRY-Seile mit bester Performance, höchster Sicherheit und Langlebigkeit sowie geschmeidigem Seilhandling.

Mammut PROTECT

SicherheitDurch die thermische Behandlung erreichen PROTECT-Seile eine höhere Seilperformance und 1 bis 2 zusätzliche Normstürze (im Vergleich zu einem CLASSIC-Seil).
In nassem Zustand (15 min Wasserbad) widersteht ein PROTECT-Seil noch 50 % der angegeben Normstürze.
LanglebigkeitDie Mantelveredelung bei PROTECT-Seilen bewirkt eine um 40 % höhere Abrieb­festigkeit im Vergleich zu nicht behan­delten Seilen. Auch die erhöhte Schmutz­abweisung führt zu einer längeren Lebensdauer eines PROTECT-Seils.
WasserabweisungDie Coated Sheath Technology führt zu verbesserten Eigenschaften von PROTECT-
Seilen hinsichtlich Schmutz- und Wasser-
abweisung. Im UIAA-Testverfahren zur Wasseraufnahme erzielen PROTECT-
Seile einen Wert von 36 %.
EinsatzPROTECT-Seile bieten erhöhte Seilperformance, bestes Handling und lange Lebensdauer beim Fels- und Hallenklettern.

Mammut CLASSIC

SicherheitMammut stellt seit über 150 Jahren qualitativ hochwertige Seile her. Grösste Sicherheit wird durch aufwendige Qualitätssicherungsprozesse gewährleistet. Auch wenn nicht ausgerüstete Seile in trockenem Zustand die Sicherheitsstandards klar erfüllen, ist ein deutlicher Festigkeitsverlust in nassem Zustand bei allen erhältlichen, nicht veredelten Seilen, eindeutig messbar.
LanglebigkeitDurch ein ausgewogenes Verhältnis von Mantelanteil zu geringem Gewicht bieten Mammut® CLASSIC-Seile ausdauernde Eigenschaften im Klettereinsatz.
WasserabweisungDie Seile aus der Mammut® CLASSIC-Linie werden nicht wasserabweisend behandelt. Im UIAA-Testverfahren zur Wasseraufnahme erzielen CLASSIC-Seile einen Wert von 46 %.
EinsatzCLASSIC-Seile bieten hohe Qualität bei einem guten Preis- / Leistungsverhältnis und sind die erste Wahl für Felsklettern bei trockenen Bedingungen und beim Hallenklettern.

Die Art der Verwendung bestimmt, welches Seil das optimale ist. Es kann durchaus sinnvoll sein, sich mehrere verschiedene Seile anzuschaffen, die je nach Tour zum Einsatz kommen. So ist für abriebintensive Nutzung wie Routen ausbouldern oder Topropen ein Seil mit höherem Mantelanteil nützlich, für alpine Anwendung, vor allem im Eis, empfiehlt sich ein imprägniertes Seil, bei möglicher Scharfkantenbelastung oder längeren Abseilstrecken sind Zwillings- oder Halbseile erste Wahl. Im folgenden werden einige Beispiele von typischen Anwendungen mit den jeweils spezifischen Anforderungen an das Seil aufgeführt:

Alpines Bergsteigen

z.B. Watzmann-Ostwand, Salbitschijen

Sobald schwieriger Fels ins Spiel kommt und die Schwierigkeiten so homogen sind, dass Stürze jederzeit möglich sind, wird klassisch von Stand zu Stand gesichert. Ob Einfach- oder Halb- resp. Zwillingsseile verwendet werden, hängt primär davon ab, ob abgeseilt oder abgestiegen wird. In gestuftem Gelände sind oft kürzere Seillängen sinnvoll.

Lange Eis- und kombinierte Routen

z.B. Walkerpfeiler, Droites-Nordwand, schwere Wasserfälle

Nur Halb- oder Zwillingsseile bieten höchste Sicherheitsreserven und erlauben lange Abseillängen in schwierigem Gelände. Imprägnierung, Handling und niedriges Gewicht sichern flotte, ermüdungsarme Handhabung. Lange Seillängen helfen vor allem in reinen Eiswänden, Zeit für Standplatzbau zu sparen.

Eisklettern / Drytooling

z.B. Urnerboden, Thunklamm, gefrorene Wasserfälle

Die Anforderungen ähneln denen beim Sportklettern, doch ist eine Imprägnierung wesentlich. In eingebohrten Mixedrouten kann ein Einfachseil leichteres Handling bieten; in scharfkantigem Felsgelände ist die Sicherheitsreserve eines Zwillingsseiles willkommen. In schlecht gesicherten Mixedclimbs schottischen Zuschnitts reduziert die Halbseiltechnik die Belastung der Sicherungskette.

Hochtouren

z.B. Jungfrau, Matterhorn, Biancograt

Bei klassischen Touren mit kombiniertem Gelände und einzelnen Kletterpassagen bis zum 4. oder 5. Grad wird meist abgestiegen, nicht abgeseilt. Hier verwendet man mit Vorteil leichte Einfachseile oder man nimmt einen Halbseilstrang doppelt, kann dann aber nur die halbe Seillänge nützen. Das Einfachseil ist einfacher zu bedienen als zwei Halb- oder Zwillingsseile. Auch hier empfiehlt sich eine Imprägnierung.

Alpines Sportklettern

z.B. Schüsselkar, Rätikon, Wendenstöcke

Die Zwillingsseiltechnik bietet optimale Sicherheitsreserve und volle Abseillänge. Eine Imprägnierung ist bei Wetterumschwung nützlich. Scharfkantenfestigkeit wird durch die verwendeten Zwillings- oder Halbseile gewährleistet.

Sportklettern

z.B. Arco, Südfrankreich, Thailand

Gelegentliche Stürze machen ein stabiles Seil wichtig. Der Fangstoss kann durch dynamische Sicherung begrenzt werden. Handling und Gewicht sollten für Grenzleistungen optimal sein. Längere Seile (70/80 m) sind für viele moderne Sportklettergebiete zum Umlenken nötig.HallenkletternDas Kunstharz der Halle verschleisst ein Seil schneller; stabilere Seile und dickerer Mantel sind von Vorteil.

Workout mit häufigen Stürzen

z.B. Training im Klettergarten

Häufige Stürze verschleissen das Seil besonders stark. Deshalb sind hier die Arbeitstiere unter den Seilen gefragt. Das Gewicht ist weniger wichtig als die Langlebigkeit. Top Rope / KursbetriebViel Reibung, starke Abnützung; festere Mantelkonstruktionen sind von Vorteil. Solange nur Nachstiegsstürze möglich sind, kann unter Umständen auch mit einem Halbseil gesichert werden.

Bigwallklettern

z.B. El Capitan, Val di Mello

Für die Bigwalltechnik wird meist ein Einfachseil zum Vorstieg und ein Statikseil zum Nachziehen des Materialsacks verwendet. Viel Sicherheitsreserve und ein abriebfester Mantel sind für das Seil wünschenswert.

Rettung

z.B. BergwachtBei Seilen für Bergrettungseinsätze sind hohe Sicherheitsreserven und niedrige Gebrauchsdehnung die wichtigsten Eigenschaften.

Statikseile

Statikseile von Mammut zeichnen sich durch hohe Abriebfestigkeit, geringe Dehnung und maximale Bruchfestigkeit aus. Seile für höchste Ansprüche. Bitte nicht zur dynamischen Sicherung verwenden.

Seilkern

Der Seilkern besteht aus hochfesten Garnen, welche in mehreren aufeinander abgestimmten Arbeitsgängen zu Kernzwirnen verarbeitet werden.

Seilmantel

Mehrfachgezwirnte oder parallelgespulte Garne umschliessen als Mantel-Geflecht den Kern, um ihn vor äusseren mechanischen Einflüssen zu schützen und dem Seil das kompakte praxisorientierte Handling zu geben.

Info-Tex

Jedes unserer Seile enthält ein Einlagebändchen mit den wichtigsten Seildaten im Seilkern: Hersteller, Prüfnorm, Seiltyp, Herstellungsperiode, Material.

Performance-Static

Das robuste, abriebfeste Seil, wo höchste Ansprüche an die Haltbarkeit und Gebrauchstüchtigkeit gestellt werden. Diese Seile erfüllen alle Anforderungen an Statik Seile für den Intensiv-Gebrauch.

Reepschnüre

Reepschnüre sind Kernmantelkonstruktionen und weisen eine hohe Festigkeit in Bezug auf den effektiven Durchmesser auf. Dank der aussergewöhnlich robusten und formstabilen Seilkonstruktion behalten die Mammut-Reepschnüre auch nach intensiver Nutzung ihre optimalen Handhabungs- und Gebrauchseigenschaften. Besonders geeignet:

  • Aufziehen von leichten Lasten
  • Verankerungshilfsmittel
  • Prusikschlingen

Veredelungstechnologien

Mammut® Coated Core Technology

Die einzelnen Kerneinlagen-Zwirne werden vor dem Flechtprozess mit einer Coatingfinish™-Beschichtung und durch einen thermischen Prozess veredelt. Diese Veredelung verleiht den Kerneinlagen einen dauerhaft wirksamen Schutz vor Wasser- und Schmutzaufnahme.
Ausserdem wird die Reibung zwischen den Kerneinlagen verringert und dadurch ihre Gleitfähigkeit verbessert. Bei einer Belastung etwa durch einen Sturz wird die Kraft-
einwirkung so gleichmässig auf alle Einlagen verteilt, und das Seil kann das Optimum seiner Leistungsfähigkeit entfalten.
Die Mammut® Coated Core Technology kommt exklusiv bei Seilen aus der DRY-Linie zum Einsatz.

Mammut® Coated Sheath Technology

Der Seilmantel wird nach dem Flechtprozess durch
eine Beschichtung versiegelt und das Seil zusätzlich thermisch behandelt. Diese thermische Behandlung resultiert in einer deutlichen Steigerung der Seil-
performance: Im Vergleich zu einem Seil gleichen Durchmessers ohne zusätzliche Veredelung können
1 bis 2 zusätzliche Normstürze realisiert werden und zudem weist das Seil ein angenehm geschmeidiges Handling auf.
Die Versiegelung des Seilmantels führt ausserdem zu einer deutlich erhöhten Abriebfestigkeit und verleiht dem Seil schmutz- und wasserabweisende Eigenschaften.
Die Mammut® Coated Sheath Technology kommt bei Seilen aus der PROTECT- und der DRY-Linie zum Einsatz.