Steff Siegrist - Pro Team

Spitzname: Stef
Geburtstag: 17.12.72
Beruf: Bergführer/Zimmermann
Geburtsort: Bern
Aktueller Wohnort: Interlaken
Website: www.stephan-siegrist.ch
Webshop: www.stephan-siegrist.ch/Bookshop/index.html
Zu Mammut:
Erstklassige Seile bedeuten erstklassige Sicherheit - ob funktionelle Bekleidung oder qualitativ hochstehendes Schlingen- und Seilmaterial – auf Mammutprodukte kann ich mich in jeder Situation verlassen.
Bevorzugte Klettergebiete:
- Wendenstöcke - wegen der einzigartigen Felsqualität und dem grandiosen Panorama.
- Indian Creek - neben starker Psyche wird eine kompromisslose Risstechnik verlangt.
- Eiger - weil er in der Nähe liegt und Spass macht.
Bevorzugte Routen:
Alles, was abseits der Zivilisation liegt - in Patagonien die Westseite des Cerro Torre, am Nordwestgrat des Thalay Sagar und die Nordwand des Arwa Towers im indischen Himalaya, in der Antarktis die Südwand des Holtanna oder in unseren heimischen Gefilden die "The Young Spider" oder die "Paciencia" am Eiger.
Wie alles angefangen hat?
„Damit, dass ich mir geschworen habe, dass es nie wieder sooo anstrengend wird!" Sagt Stephan Siegrist lachend auf seine erste Skitour angesprochen. Da war er elf. Das Indianerehrenwort war angesichts der Berner Alpenpracht jedoch schnell vergessen. Auf weitere Skitouren folgte mit sechzehn das Kletterlager in der JO Bern, die Lehre als Zimmermann und die Ausbildung zum Bergführer. Mit 20, drei Jahre bevor er die Ausbildung zum Bergführer abschliesst, klettert Stef die Eiger Nordwand zum ersten Mal im Winter. Hier wird er auch in Zukunft immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Mit „La vida es Silbar" begründet er eine der schwierigsten Kletter- Neutouren durch die Wand. Zwei Jahre später folgt mit „The young spider" eine der anspruchsvollsten Mixedrouten durch den Spinnenarm und mit der ersten freien Begehung der hammerharten Eiger Sportkletterroute „Paciencia“ (23 Seillängen bis 8a oder 10- (UIAA) findet auch das Eiger-Jubiläumsjahr 2008 einen würdigen Abschluss!
1999 führt Siegrist als Team-Coach und Mitbesteiger durch die Sendung „Eiger live" – der Aufstieg des Teams wird 33-Stunden live am Fernsehen übertragen. Mit einer Retro-Begehung im Stil der 30er Jahre windet er am 17. und 18. August 2002 zusammen mit Michal Pitelka den Erstbesteigern Heinrich Harrer und Anderl Heckmair ein Kränzchen. In Tricounis und mit Hanfseilen folgen sie der Route der beiden. „Meine Ehrfurcht vor Heckmair und Harrer ist noch gestiegen!" Findet Siegrist im Anschluss an die Retro-Begehung bewundernd. Ein weiters Eiger-Projekt, das ihn seit Jahren beschäftigte, schliesst er am 28. Juli 2004 zusammen mit Ueli Steck ab. In nur 25 Stunden durchstiegen sie die Nordwand von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Nordwand in einem Zug
Bis heute hat Stephan die Eiger Nordwand mehr als zwanzig Mal durchstiegen, nebenbei aber auch immer wieder Expeditionen im Ausland verwirklicht. Nur 2 Monate nach der Eiger, Mönch und Jungfrau, verwirklicht er 2004 am Norwestgrat des Thalay Sagar (6904 m.ü.M.) im indischen Himalaja einer seiner schönsten Erfolge. Danach folgten Erstbegehungen in verschiedenen Ländern, welche 2007 erneut in einem grossen Erfolg an der Nordwand des Arwa Towers (6352 m.ü.M.) - wiederum im indischen Himalaja gipfelte. 2008 gelang dem symphatischen Oberländer die Erstbesteigung der „La Silla“ Westwand in Patagonien, da, wo er bereit mit 22 Jahren auf dem Cerro Torre- und an seinem 25 Geburtstag auf dem Gipfel des Fitz Roy stand.
Sowohl im Eis wie auch im Mixedbereich hat er sehr schwierige Routen („Flying Circus", „Dildo-Rama") geklettert und eingerichtet. Die Begehung der Bigwall Route „Mescalito" im Mai 2000 filmt Thomas Ullrich. Sowohl dieser Film, wie auch die Retro-Begehung vom Eiger werden am Filmfestival in Banff in den Final gewählt. „Bigwall klettern", findet Stefan dazu, „ist wie arbeiten auf einer Baustelle, mit dem Unterschied, dass man nichts dabei verdient!" Sein Doku-Abenteuer „Harvest Moon“, über die Erstbesteigung des Thalay Sagars gewinnt an nationalen und internationalen Bergfilmfestivals insgesamt 7(!) Goldauszeichnungen und 1x Bronze. Mitte Dezember 2008 erscheint der neue Film „Lightning Strike“ auf DVD - die faszinierende Dokumentation der erfolgreichen Erstbesteigung der Arwa Tower Nordwand (beide Titel sind in seinem Webshop erhältlich).
Wie also alles angefangen hat?
Angefangen hat wohl alles damit, dass Stephan Siegrist nicht damit aufgehört hat.
All in one - Der perfekte Tag
Innerhalb von kurzer Zeit werden bei Stephan Siegrist Projekte zu News. Ob in der Wüste von Utah, im Schneesturm von Patagonien, im Himalaja oder wie jetzt zur Jahreswende 2008 in der Antarktis oder zu Haus in der Nordwand vom Eiger, bei Stephan Siegrist ist es schwierig aktuell zu bleiben. Projekte kommen und gehen so schnell, wie er Wände klettert: Sechs Towers in 13 Stunden, Eiger, Mönch und Jungfrau in 25... „Rumhängen macht mich in der Regel krank", sagt Stef. Die Frage nach Projekten beantwortet er mit: „...zu viele Ideen – Indien, Nepal, Patagonien, das Ewige Eis..." Aha, wieder so einer! Ein immer weiter, höher und schneller, ein immer extremer und wagemutiger bis zu „Spiel mir das Lied vom Tod" Typ? „Nein", findet Siegrist bestimmt, „darum geht’s doch gar nicht. Viele glauben im so genannten Extrembergsteigen sei das Risiko nicht kalkulierbar. Doch auch wir lieben das Leben. Die Situationen in denen wir uns gefordert sehen, spielen sich einfach auf einem anderen Niveau ab."
Im Tunnel
Als Elfjähriger begleitete Stephan einen Freund und dessen Familie auf eine Skitour. „Nie mehr sooo streng", schwor er sich damals. Schon kurz darauf schnallte er sich die Skier trotzdem wieder um. In Meikirch aufgewachsen hat er die Berge bis zu diesem Zeitpunkt meist aus der Ferne gesehen. Nach dem Kletterlager, das er mit sechzehn besucht, ist für ihn jedoch klar: „Davon will ich mehr!" Bereits mit 23 schliesst er die Ausbildung zum Bergführer ab. Und noch heute antwortet er auf die Frage, was sein Herz höher schlagen lässt selbstironisch grinsend mit: „Schöne Berge, Felswände – Tunnelblick eben." Dass sich in seinem ganz privaten Tunnel allerlei Schönes verbirgt, macht das Leben in der Extreme für Stef sehr lebenswert. „Klettern und Bergsteigen ist für mich einzigartig – physisch wie psychisch. Für mich zählen Abenteuer, Naturerlebnis und Freundschaft. Am Berg erlebt man, wie man wirklich ist, wie Kollegen in schwierigen Situationen reagieren. Das schmilzt zusammen. Der Sport gibt mir persönlich viel und formt mich immer wieder von neuem."
Urlaub in Interlaken
Heute lebt Stephan im Berner Oberland – nahe beim Eiger und „in einem gemütlichen, rustikalen Chalet“ zwischen Brienzer und Thunersee. Mein zu Hause ist zurzeit eher Durchgangsheim als Wohnstube!" sagt er lachend. Verständlich also, dass, wenn andere romantisch vom Biwak träumen, Stef „ein warmes Bett" ausnahmsweise dem Schlafsack vorzieht. Der Sonnenaufgang gehört trotzdem zum perfekten Tag, ein Projekt oder eine schwere Route zu klettern auch, mit Freunden zusammen sein, lachen und den müden Körper geniessen. Aber Urlaub, den macht Stephan Siegrist zu Hause, weil: „Da bin ich ja sonst nie!"
